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Schöninger Jugendgruppen aus Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) starteten mit erstem gemeinsamen 24-Stunden-Dienst in die Zukunft

Schöningen, 11. und 12. September 2010.

Foto der Jugendlichen aus THW-Jugend, Jugendfeuerwehr und Jugendrotkreuz mit den Betreuern Samstagmorgen in Schöningen. Arbeitnehmer, die als Pendler ihren Lebensunterhalt verdienen, nutzten die Gelegenheit, sich von einer anstrengenden Arbeitswoche zu erholen, auch Familienfeiern, die auf den Freitag verschoben werden mussten, forderten ihren Tribut. - Doch hinter der scheinbaren Idylle verbargen sich nur noch mangelhaft Szenen einer Großschadenslage, die den örtlichen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bis in den Sonntag hinein alles abverlangen sollten, was in vielen Stunden ehrenamtlicher Ausbildung wieder und immer wieder trainiert worden war.

Dann ging bei der Feuerwehr in der Elmstraß 6 der Alarm los. Hektisch wirkende Betriebsamkeit bracht los, große Tore öffneten sich, Motoren wurden gestartet, junge Leute in Einsatzkleidung schnallten sich auf den Sitzbänken der Tanklöschfahrzeuge fest und mit "Blaulicht und Sirenengeheul" jagte der Löschzug der Schöninger Ortsfeuerwehr über die Wilhelmstraße und den Ohrsleber Weg in Richtung Bruch den erschreckenden Folgen einer Scheunen-Party entgegen. Kurze Zeit später folgten ihnen bereits Rettungstransportwagen des Roten Kreuzes - und selbst Mannschaftstransportwagen und Gerätekraftwagen des Technischen Hilfswerks schlossen sich unmittelbar an. Keine zehn Minuten waren vergangen, da stürzte sich eine wohlgeordnete Schar hochmotivierter Junghelfer von drei großen Schöninger Hilfsorganisationen in ein gut simuliertes Chaos aus geschockten und verletzten Partybesuchern, Entstehungsbränden und Explosionsgefahren.

Zum Glück war es diesmal kein Ernstfall, dann hätten es die Großen richten müssen, aber das erste große Ausbildungswochenende verlangte den kleinen Helfern von Jugendfeuerwehr, Jugendrotkreuz und THW-Jugend alle Fertigkeiten ab und führte sie in wohlabgestimmter Art bis an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastungsfähigkeit, wenn auch mit Rücksicht auf die ruhebedürftige Bevölkerung auf morgendliche Sirenen und Blaulichtfahrt verzichtet worden war,

In der Scheune war, wie es das Drehbuch des Ausbildungseinsatzes vorsah, in den frühen Morgenstunden vermutlich durch einen umgestürzten Gasofen ein Entstehungsbrand verursacht worden, der Holz und Reifen erfasst hatte und bei vergeblichen Selbstlöschversuchen auch noch Brandverletzungen, Schürfwunden und Schockzustände sowie Rauchvergiftungen bei vier Partybesuchern verursacht hatte, die bis zum Morgen durchgehalten hatten. Auch Alkohol schien eine gewichtige Rolle zu spielen. Für eine realistische Unfalldarstellung (RUD) sorgte das sorgfältig auf verletzt geschminkte Team der Unfalldarsteller des DRK Königslutter, dessen schauspielerische Leistung unvorbereiteten Helfern durchaus die Hände zum Zittern bringen konnte.

Unter schwerem Atemschutz und unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen arbeiteten sich die kleinen Feuerwehrleute an die Verletzten heran, hielten das Feuer in Schach und kühlten explosionsgefährdete Gasflaschen, während die aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich gebrachten Katastrophenopfer auf dem Verletztensammelplatz durch JRK-Helfer ihre Erstversorgung erhielten, um dann von den THW-Jugendlichen zu den DRK-Rettungstransportwagen getragen werden zu können.

Eine THW-Gruppe hatte inzwischen mit einer improvisierten Sandsackbarriere den in der Nähe fließenden Bach aufgestaut, so dass schließlich eine explosionsgefährdete Gasflasche unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften dort ihr vierundzwanzigstündiges Kühlungsbad antreten konnte. Bei allen Arbeiten standen JRK-Helfer für den Fall einer Verletzung jederzeit bereit.

Foto der Jugendlichen aus THW-Jugend beim Transport eines Verletzten in einen Rettungswagen Kaum hatten sich die Jugendorganisationen nach dem morgendlichen Einsatz wieder in ihre Unterkünfte zurückgezogen, da gellte auch schon der nächste Alarm durch die Hallen. Diesmal hatte die Ausbildungsregie unter Leitung von Carsten Buchheim einen Heizkraftwerksbrand mit unkontrolliertem Bitumenaustritt auf dem Gelände der Firma Quandt ausgemacht, die zu diesem Zweck den BOS-Jugendlichen ihre Tore geöffnet hatte. Brand mit erschwerten Bedingungen, für die Sonderlöschmittel aus Berlin angefordert werden müssten. Fertigprodukte waren in sichere Entfernung zu verlagern, Platz für Sonderlöschmittel wollte geschaffen werden.

Bis zum Eintreffen der Sonderlöschmittel musste sich die Jugendfeuerwehr darauf beschränken, eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Schutz der umliegenden Bebauung und des Bewuchses ließ die Jugendfeuerwehr nicht zur Ruhe kommen. Defekte Absperrschieber ließen zudem erhitztes Bitumen austreten. Mit der Kühlung des austretenden flüssigen Bitumens wurde dessen unkontrollierte Ausbreitung auf dem Gelände bis zur kontrollierten Ableitung mittels eines von der THW-Jugend erstellten Kanals aus Holzbohlen verhindert. Eine zweite THW-Gruppe bereitete indessen unter Zeitdruck den Austausch der defekten Absperrschieber vor.

Alle Kraftwerksmitarbeiter und Rettungskräfte hielten sich an die Brandschutz-verordnungen, dennoch musste Matthias Baake mit dem Jugendrotkreuz zwei akute Unfallopfer durch den als Löschzugbegleitung eingesetzten Rettungswagen versorgen. Dann aber hatte er Kapzitäten frei, als SEG Versorgung ein gehaltvolles gesundes Mittagessen für alle Beteiligten auf den Tisch zu zaubern und für die erforderlichen Getränke zu sorgen. Denn regelmäßige und hochwertige Flüssigkeitsaufnahme ist in Einsätzen aller Hilfsorganisationen ein unbedingtes Muss, auf das auch in dieser Ausbildung alle Gruppenleiter streng zu achten hatten. "Ohne Mampf kein Kampf gegen Gefahren und Katastrophen", stellte der für den Ausbildungseinsatz verantwortliche THW-Jugendbeauftragte Jan Siemann klar und gab seinen beiden Gruppenleitern die Anweisung, die Junghelfer zum Essen zu schicken.

Da sich zum Glück für die spielend helfen lernenden Jugendlichen die sehr ernsthaft bekämpfte Gefahr vermutlich gerade deshalb in Luft aufgelöst hatte, blieb Zeit für einen kleinen Wettkampf im "Hubwagenrennen", der aus Sicherheitsgründen von den Gruppen nacheinander gegen die Stoppuhr ausgetragen wurde. Für den Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt, der durch die zweimal erfolgreich geprobte Zusammenarbeit bei den drei so verschiedenartig strukturierten Jugendorganisationen entstanden war sprach die Tatsache, dass jeder die jeweils anderen Gruppen leicht vorn liegend zu sehen meinte. Tatsächlich ging der Wettkampf hauchdünn mit kaum feststellbaren Vorteilen aus.

Der Samstagnachmittag auf dem THW-Gelände an der Langen Trift brachte dann drei gemischten Jugendgruppen Highlights des Rettungswesens fühlbar nahe. Selbst Heiko Friedberger, stellvertretender Schöninger Ortsbrandmeister nutzte die Gelegenheit, den bunten Helfergruppen bei der gemeinsamen Ausbildung zuzusehen. Von Christian Nabel gespendete Autoteile durften mit der großen Metallschere zerschnitten werden, aus einem Einsturzgebäude - mit dem Übungstunnel des Technischen Hilfswerks realitätsnah simuliert - waren verschüttete Personen zu retten. Sogar das Vorgehen eines Rettungshundeteams konnte hautnah miterlebt werden, als die örtliche Ausbildungsbeauftragte Petra Werner mit THW-Maskottchen "Wolf", einem 40 Kilogramm schweren Tervueren Standardsituationen der biologischen Ortung vorführte.

Ein wenig länger dauerte die aufwändige, weil sicherheitstechnisch besonders anspruchsvolle Rettung einer verletzten Person aus der Höhe. Hier ließ es sich JRK-Ortsleiter Matthies Baake nicht nehmen, die gefährliche Fahrt in der Rettungsmulde auf der schiefen Ebene einer mehrteiligen Steckleiter vom Übungsturm herab als erster auf sich zu nehmen. Sein grenzenloses Vertrauen in die Umsicht und Sorgfalt der jugendlichen Retter wurde belohnt: Er kam völlig unverletzt auf dem Erdboden an.

Mit einem ausgiebigen Grillabend endete der erste Ausbildungstag auf dem Hexentanzplatz der Schöninger Feuerwehr, und beinahe hätten mit zunehmender Dunkelheit die Liegen- und Feldbettlager in den jeweiligen Unterkünften aufgesucht werden können, wenn nicht ein Beleuchtungstraining auf einem Brachgelände die Junghelfer mit den rotweißen und den blauweißen Fahrzeugen noch ein wenig daran gehindert hätte. Doch obwohl die Müdigkeit schon ihre Spuren hinterlassen hatte, absolvierten sie die Übung konzentriert mit großer Geschwindigkeit und völlig fehlerfrei.

Nur wenige warteten noch etwas länger auf einen Nachteinsatz, der sich allerdings zu ihrem Erstaunen nicht einstellte. Erst als auch die letzten Abenteuerlustigen die Hoffnung aufgegeben und ausreichend geschlafen hatten, schrillte morgens der Alarm durch die Unterkünfte der Jugendfeuerwehr und THW-Jugend; Ereignisort war wieder das Brachgelände, wo in der letzten Dunkelheit eine lehrreiche Lektion im Gebrauch der Pulverlöscher bei Flüssigkeitsbränden vorbereitet war, die zu den gemeinsamen Ausbildungsinhalten beider Organisationen gehört. Viele durften zum ersten Mal ein solches Löschgerät in den Händen halten.

Bei einem gemeinsamen Frühstück mit frisch gebackenen Brötchen und Tee, von Diane Städing, Jugendbeauftragte im örtlichen THW-Stab in der Schöninger Unterkunft der Bundesbehörde vorbereitet, zogen Jugendliche, Jugendgruppenleiter und Ausbilder eine durchgehend positive Bilanz. Carsten Buchheim, Jugendwart der Ortsfeuerwehr Schöningen bedankte sich bei den anderen beteiligten Organisationen für ihr bereitwilliges Engagement, das Freude am Helfen und reibungslose Organisation und Koordination in den Vordergrund gerückt habe: "Mit der Jugendarbeit in den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben arbeiten wir in Schöningen motiviert gemeinsam daran, die Alarmierungssicherheit und den Schutz der Bevölkerung auch morgen und übermorgen sicherzustellen."

Fotostrecke

Alle Fotos dieser Fotostrecke könne durch anklicken vergrößert werden. Man kann auch bei Bild 1 starten und sich dann durchklicken.

Gemeinsamer Bericht der Feuerwehrjugend, des Jugendrotkreuzes und der THW-Jugend Schöningen.

Text und Fotos: Harald Werner, Helfer, THW OV Schöningen

Für alle Fragen zur THW-Jugend steht das Betreuerteam unter jugend@thw-schoeningen.de gerne zur Verfügung.


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